Kostenlose Lesung ueber Depressionen besonders fuer Angehoerige

Montag, den 21. Februar 2011 um 08:33 Uhr
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Am 24. Februar 2011 in der Kontakt- und Beratungsstelle in der Marktstrasse 8, 16909 Wittstock

Jeannette Bischkopf "So nah und doch so fern"

„Wenn wir gewusst hätten, dass das eine Depression ist, dann hätten wir uns nicht getrennt.“

Das Bedürfnis nach Aufklärung und Infos über Depressionen wächst stetig, da es in unserer Gesellschaft immer häufiger zu dieser Erkrankung kommt.

 

Da Depressionen schwer zu erkennen sind, ist die Zeit der Unwissenheit besonders schwierig, weil man keine Handlungsmöglichkeiten kennt. Nach Schätzungen der WHO sind Depressionen nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen die zweithäufigste „Volkskrankheit“ mit erheblichen Belastungen für die Betroffenen und deren Umfeld, Tendenz steigend.

Jeannette Bischkopf beschreibt in „So nah und doch so fern – Mit depressiv erkrankten Menschen leben“ sehr passend die heutige Normalität dieses Leidens in vielen Familien, ohne zu wissen, dass man es mit einer schweren Krankheit zu tun hat. Dabei gibt es ein überwältigendes Angebot an „verwirrenden“ Infos, z.B. im Internet, allerdings hauptsächlich für Betroffene, statt für Angehörige.

Bischkopf stellt endlich den Angehörigen in der Mittelpunkt, denn gerade hier kommt aus Rücksicht viel Schmerz, Belastung und Doppelverantwortung nicht zu Wort.

Die junge Autorin fasst daher zu nächst ein notwendiges Basiswissen zusammen und gibt Tipps besonders für die ersten Schritte aus der Krankheit. Kurz und knackig nennt sie Symptome und Verlauf, um Angehörige dafür sensibler zu machen.

Wie aber unterstützt man erkrankte Angehörige, beispielsweise bei der Suche eines Therapeuten?

Sie macht deutlich, wie Angehörige mitleiden, mit Verantwortung tragen, mit zweifeln, Lasten abnehmen, aber auch vergessen, Geduld zu haben, denn eine Behandlung braucht Zeit. Sie ermutigt dazu, bestimmte Symptome als Teil der Depression, nicht als Teil ihres Partners, Freundes, Kindes oder Elternteils zu akzeptieren und die Aufgabe an den Psychologen abzugeben, sowie auch Zuversicht zu üben und seine eigene Kraft zu erhalten.

Ihrer Meinung nach ist es wichtig, sich nicht von der negativen Stimmung des Angehörigen anstecken zu lassen, man sollte die Risiken und Behandlungsmöglichkeiten kennen und vor allem Hoffnung behalten, denn diese fördert die Heilung.

Ganz besonders geht sie auch auf den gemeinsamen Alltag ein und gibt in einer verständlichen Sprache und kurzen Kapiteln konkrete Ratschläge. Ein interessanter Aspekt z.B., wie geht man damit um, dass der Erkrankte oft nicht mehr fähig ist, familiäre Aufgaben in Haushalt und Kinderziehung wahrzunehmen oder wenn finanzielle Einbußen möglich sind?

Ermunternd betont sie, dass man Anforderungen und Erwartungen an den Partner nicht sofort aufgeben sollte.

Wie lebt man mit jemanden., der körperlich zwar nah und gegenwärtig ist, geistig aber weit weg, in einer eigenen Welt lebt, verschlossen und zurückgezogen ist. Viele Angehörige schwanken zwischen Zureden und Drohen, Verständnis und Wut.

Ratschläge, wie Veränderungen und Verhalten nicht auf sich zu beziehen, mögen auf Angehörige zunächst Unverständnis hervorrufen, aber die Autorin erklärt einfühlsam die Zusammenhänge.

Immer wieder schafft sie es, auch Chancen der Situation aufzuzeigen und bestärkt den Leser darin, auf sich zu achten und rechtzeitig vorzubeugen. Denn durch den Druck, die Belastbarkeit haben Angehörige ein erhöhtes Risiko, selbst zu erkranken.

Auch Vorurteile werden aufgegriffen, z.B. Depressionen als Mangel an Willen, als Modediagnose oder auch gegenüber der psychiatrischen Behandlung sind noch weit verbreitet, denken doch viele noch, dass sie in einer Psychiatrie eingesperrt und mit Medikamenten ruhig gehalten werden.

Es scheint einem, als ob Bischkopf ganz genau die Fragen und Sorgen der Angehörigen kennt, jeder noch so kleine Aspekt wird von ihr facettenreich zur Sprache gebracht.

Dennoch betont sie auch, dass es kein Handbuch gibt, wie man mit depressiv Erkrankten umgehen soll; Grenzen müssen immer wieder austariert werden und man sollte schauen, was man selbst möchte und auch braucht.

Sensibel vermittelt sie, ein Verständnis für die Krankheit zu entwickeln, denn die Depression verändert die Wahrnehmung, und selbst die besten Empfehlungen zur Kommunikation können falsch vom Erkrankten ausgelegt werden.

Für Angehörige gibt es immer noch sehr wenige Anlaufstellen oder Ansprechpartner. Man muss auch vorsichtig sein, wem man sich anvertraut. Nächste Vertraute werden oft plötzlich zu Fremden. Beratungsstellen werden hier als eine sichere Anlaufstelle vorgestellt.

Aus diesem Anlass möchte die Kontakt- und Beratungsstelle Wittstock eine Möglichkeit für Angehörige bieten, denn besonders der Kontakt zu ähnlich Gesinnten ist so wichtig. Es ist manchmal schlicht einfacher, sich einem Fremden anzuvertrauen, der ähnliche Sorgen und Gefühle kennt als jemand, der Sie und den Erkrankten lange kennt und viele Fragen stellt.

Für alle Interessierten hat es die KBS geschafft, die Autorin Jeannette Bischkopf nach Wittstock einzuladen. Am 24.02.2011, 14.30 Uhr wird sie über dieses Thema reden und für Fragen zur Verfügung stehen. Der Eintritt ist frei!

Infos: N. Richter, Marktstraße 8, Wittstock, 03394/ 444213

Zuletzt aktualisiert am Montag, den 28. Februar 2011 um 09:55 Uhr